NFDI4 Objects

Research Data Infrastructure
for the Material Remains
of Human History

Workspace at osf.io

NFDI4Objects ist eine Initiative zur Entwicklung eines Konsortiums innerhalb der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).

NFDI4Objects Bildmarke NFDI4Objects Bildmarke by  Vanessa Liebler CC BY-ND 4.0

Ziel der nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) ist die systematische Verwaltung von Wissenschafts- und Forschungsdaten, die langfristige Speicherung, Sicherung und Verfügbarkeit sowie die Vernetzung dieser Daten auf nationaler und internationaler Ebene. Die NFDI wird eine Vielzahl von Akteuren in einem koordinierten Netzwerk von Konsortien zusammenführen, die der Aufgabe nachkommen werden, wissenschaftsbasierte Datendienste für Forschungscommunities bereitzustellen.

(Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft, eigene Übersetzung)

NFDI4Objects

NFDI4Objects richtet sich an die infrastrukturellen Bedürfnisse von Forscher/-innen und Praktiker/-innen mit multidisziplinärem Hintergrund, deren Arbeitsschwerpunkte auf dem materiellen Erbe von rund drei Millionen Jahren Menschheits- und Umweltgeschichte liegen.

In NFDI4Objects deckt der Begriff "Objekt" das gesamte Spektrum von Spuren und Hinterlassenschaften vergangener menschlicher Aktivitäten ab: Artefakte, Architektur, archäologische Befunde und anthropogen geformte Landschaften sowie biologische oder ökologische Überreste.

Dieses Vermächtnis stellt die grundlegende Quelle des Wissens über die kulturelle und biologische Entwicklung der Menschheit dar. Bestehend aus physischen Objekten, ihrer Einbettung in vielfältige Kontexte sowie ihren komplexen Eigenschaften und Biographien, ist dieses Erbe in unterschiedlicher Weise in der Landschaft und den in sie eingebetteten Bauten sowie Bodenarchiven erhalten. Es wird durch kontinuierlich weiterentwickelte Verfahren sowie Technologien zur Detektion, Dokumentation, Bergung, Rekonstruktion und Analyse erschlossen, die es immer neu interpretier- und erfahrbar machen.

Wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn und gesellschaftliche Teilhabe daran erfordern eine Gesamtsicht auf diese Datenbestände. Um diese Aufgabe zu erfüllen, verfolgt das Konsortium drei übergeordnete Ziele:

  • NFDI4Objects ist Impulsgeber und dient der Verbesserung von digitalen Forschungs- und Arbeitsprozessen innerhalb der Fachcommunities. Das Konsortium tritt ein für die Etablierung der FAIR-Prinzipien und begleitet aktiv die digitale Transformation der Arbeitsweisen.
  • NFDI4Objects bewältigt die Herausforderung, große und komplexe Datenbestände aus Forschungsprozessen zu erschließen und gleichzeitig den nachhaltigen und langfristigen, internationalen Zugang zu den digitalen Ergebnissen von Forschungsprojekten entsprechend den Bedürfnissen der Nutzer*innen zu ermöglichen.
  • NFDI4Objects entwickelt Strukturen und ein Betriebsmodell, das ein gemeinsames Portfolio von fachgerechter Beratung, sowie zuverlässigen, bedarfsorientierten und sicheren Diensten auf der Grundlage bereits bestehender Lösungen in einem verteilten Netzwerk in enger Abstimmung mit der Gemeinschaft und anderen NFDI-Konsortien ermöglicht.
Trainingsmaßnahme Capacity Building und Bauwerkserhaltung in Gadara (Umm Qais) Trainingsmaßnahme Capacity Building und Bauwerkserhaltung in Gadara (Umm Qais) by  Claudia Bührig © Deutsches Archäologisches Institut - Orient-Abteilung

NFDI4Objects wird in erster Linie auf bestehenden Infrastrukturkomponenten aufbauen und dabei die Fähigkeiten, Dienste und Standards bedarfs- und konsensorientiert erweitern.

Archäologische Forschung ist seit jeher datenintensiv. Daher verfügen Universitäten, Denkmalschutzbehörden und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen entweder über eigene Speicherressourcen, nutzen staatliche/regionale Rechenzentren oder eine Kombination aus beiden. Unsere Community baut auf einen breiten wissenschaftlichen Diskurs zu der Verbindung dieser Systeme über Standardprotokolle und -dienste, einschließlich der Verknüpfung mit Diensten aus anderen Wissenschaftsdomänen auf. Da viele dieser Implementierungen auf Schlüsseltechnologien freier Software und offener Spezifikationen basieren, ergibt sich ein hohes Potenzial für die Integration zwar bestehender, aber noch nicht interoperabler Repositorien.

3D-Vermessung der Totenmaske mit dem Streifenlichtscanner, i3mainz, Jahresbericht 2016 3D-Vermessung der Totenmaske mit dem Streifenlichtscanner, i3mainz, Jahresbericht 2016 by  Guido Heinz © Römisch-Germanisches Zentralmuseum Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Forschungsdaten

In den beschriebenen multidisziplinären Forschungsprozessen entstehen Daten, die zahlreiche konkrete technische und konzeptionelle Anforderungen an eine gemeinschafts- und nutzerorientierte Infrastruktur stellen. Folgende Datentypen und -produkte sind für die Nutzungsgemeinschaft von NFDI4Objects von zentraler Bedeutung:

Sensordaten

    Daten von mobilen, aktiv und passiv messenden Sensoren, die für die Vorbereitung oder im Rahmen der Durchführung von dokumentarischen Arbeiten bei Surveys und in der Feldforschung aufbereitet beziehungsweise generiert werden:

    Rasterdaten (Multiband-Satellitendaten und (Mess-)Bilder sowie Fotografien), Vektordaten (XYZM-Punktwolken, LIDAR-Daten, tachymetrische Daten, GNSS-Daten), sowie alphanumerische Tabellen und textuelle Aufzeichnungen.

Magnetische Prospektion auf der Orkney-Insel Rousay Magnetische Prospektion auf der Orkney-Insel Rousay by  Knut Rassmann © Deutsches Archäologisches Institut - Römisch-Germanische Kommission (RGK)

Daten aus Laboratorien

    Daten, die in kontrolliertem Umfeld (Laboren) erzeugt werden und Informationen über spezifische Eigenschaften der Objekte liefern:

    Daten aus der chemischen und physikalischen Analyse von Objekten (Archäometrie) und deren Dokumentation (Labortagebücher) als alphanumerische und textuelle Daten sowie Messdaten und -protokolle zur Erfassung spezifischer Objekteigenschaften (Geometrie, Radiometrie), z.B. Dendrochronologie, Morphometrie; Vektor- und Rasterdaten.

Röntgenfluoreszenzuntersuchung am Hl. Blasius aus dem Kunstgewerbemuseum, SMB-SPK Röntgenfluoreszenzuntersuchung am Hl. Blasius aus dem Kunstgewerbemuseum, SMB-SPK by  Stefan Simon © Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Datenprodukte

    Datenprodukte als Ableitung von Primärdaten, die für den Einsatz in Forschungsprozessen aufbereitet werden:

    Digitale Gelände-, Landschafts- und Oberflächenmodelle als Produkte diverser Punktwolken und GIS-gestützter Auswertungen, digitale Rekonstruktionen und Simulationen sowie 3D-Kopien als Objektmodelle, 2D-Geodaten in komplexen raum-zeitlichen Bezügen, Vergleichs- und Signaturdaten für merkmalsgestützte Untersuchungen und den Einsatz lernender Auswerteverfahren (ML), Ergebnisse statistischer Analysen.

Start einer landschaftsarchäologischen Untersuchung in der Mongolei Start einer landschaftsarchäologischen Untersuchung in der Mongolei by  Team Archaeocopter © Team Archaeocopter

Historische Daten

  • Datenbanken, digitale Archive (Zeichnungen, Pläne, Fotografien) und Altdatenbestände sowie lokale Aufzeichnungen, Denkmalregister/Ortsakten, historische Karten und Archivdaten, die im Rahmen von Forschungsprozessen in eine digitale Infrastruktur überführt werden müssen.
Diskette in der Oberflächenschicht (Kairo, Ägypten) Diskette in der Oberflächenschicht (Kairo, Ägypten) by  Kai-Christian Bruhn CC BY 4.0

Community

Outreach: Betreuung eines Chemie-Grundkurses durch Jens Dornheim im Münzkabinett der Staatlichen Museen bei der Herstellung von Galvanos im Rahmen von lab.Bode Outreach: Betreuung eines Chemie-Grundkurses durch Jens Dornheim im Münzkabinett
der Staatlichen Museen bei der Herstellung von Galvanos im Rahmen von lab.Bode
by  Johannes Eberhardt © Münzkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz


NFDI4Objects bringt eine engagierte Gemeinschaft zusammen, um eine nutzer- und bedarfsorientierte, international vernetzte Forschungsdateninfrastruktur für zahlreiche verwandte Disziplinen zu schaffen. Dazu gehört nicht nur das Gebiet der Archäologie im weitesten Sinne (vertreten durch acht verschiedene archäologische Disziplinen in Deutschland), sondern auch die Anthropologie, Architekturgeschichte (Bauforschung), Ethnoarchäologie, Geoarchäologie, Archäobotanik, Archäozoologie, Archäogenetik, Paläopathologie, Archäophysik, archäologische Konservierung und verschiedene Teildisziplinen im Bereich der Archäometrie sowie Einrichtungen, die Sammlungen zur Bewahrung des kulturellen Erbes unterhalten und die Provenienzforschung.

Diesen spezialisierten Fachdisziplinen ist ein methodischer Rahmen gemein, der sich durch starke interdisziplinäre Verbindungen auszeichnet und viele Verfahren umfasst, die umfangreiche digitale Daten erzeugen. Ein wichtiges Charakteristikum der Zielgruppe von NFDI4Objects ist die a priori bestehende, starke Tradition, Kompetenz und dichte internationale Vernetzung im Bereich der Digitalisierungsmethoden und -technologien bei vielen ihrer Mitglieder sowie die unmittelbare digitale Erfassung der Daten.

Governance

In der geplanten Organisationsstruktur von NFDI4Objects ist die Beteiligung und Mitwirkung der nutzenden Personen und ihrer Fachverbände fest verankert und garantiert eine der Neutralität verpflichteten Arbeitsweise. So ist das Konsortium auf zwei Ebenen organisiert: auf der Nutzungs- und auf der operativen Ebene. Die Nutzungsebene besteht aus dem Mitgliederforum und dem offenen Forum anwendender Personen. Die operative Ebene formiert sich aus dem Dienstleistungsportfolio, einer Geschäftsstelle und der Konsortialsprecher*innen. Die Nutzungsgruppe ist in verschiedene Fachorganisationen organisiert, deren ernannte Vertretungen den Kern des Mitgliederforums bilden. Letzteres wird nach und nach durch die Einbeziehung von Organisationsvertretungen für Gemeinschaften aus anderen Fachbereichen (deren Schwerpunkt ebenfalls auf den materiellen Hinterlassenschaften des Menschen liegt) erweitert. Der Einbezug der Organisationen gewährleistet ein Feedback an die Fachgemeinschaften.

Auf der Nutzungsebene gewährleistet ein offenes Nutzungsforum die Rückmeldung zwischen den Nutzenden und der operativen Ebene sowohl im Rahmen von Konferenzen als auch in digitaler Form. Das Mitgliederforum entscheidet, welche Services einbezogen oder sogar ausgeschlossen werden, und wählt für die einzelnen Aktionslinien des Konsortiumsorganisationsstruktur einzelne Sprecher*innen auf der operativen Ebene.

Die Bedürfnisse des offenen Mitgliederforums und das der anwendenden Personen bilden die maßgeblichen Kriterien für eine Aufnahme in das Dienstleistungsportfolio, ebenso wie der Nachweis einer tatsächlichen Nutzung der Dienste sowie die Nachhaltigkeit ihrer Basisdienste in der dezentralen Struktur. Im Rahmen der Festlegung von Aktionslinien, die von den Co-Sprecher*innen koordiniert werden, ist eine Förderung von Diensten und Inhalten (erstere auf institutioneller, letztere auf kommunaler Ebene) vorgesehen. Auf der operativen Ebene setzen die vom Mitgliederforum und den autorisierten Institutionen benannten Sprecher*innen die Anforderungen der Nutzenden im Dienstleistungsportfolio um und entwickeln Konzepte zu seiner nachhaltigen Weiterentwicklung. Die Geschäftsstelle koordiniert Sitzungen und Konferenzen.

Governanc-Schema Governance-Schema by  Jana Skundric-Rummel CC BY 4.0

Task Areas

Für die Lösung der Herausforderungen und Bedarfe sieht NFDI4Objects folgende sieben Aufgabenbereiche vor:

(1) NFDI4Objects for Documentation

NFDI4Objects for Documentation deckt alle Bedürfnisse ab, die sich aus der Erfassung, Erforschung und Dokumentation von Primärdatenquellen (Dokumentation von Ausgrabungen, Artefakten, archäologischen Stätten und Denkmälern, usw.) vor Ort, in Depots und Sammlungen ergeben.

Ausgrabung im spätantiken Burgus von Eisenberg (Pfalz) Ausgrabung im spätantiken Burgus von Eisenberg (Pfalz) by  Laura Bauer © Generaldirektion Kulturelles Erbe RLP - Landesarchäologie Speyer

(2) NFDI4Objects for Collecting

NFDI4Objects for Collecting wird eine integrierte Forschungsdateninfrastruktur sowie qualitätsorientierte Datenmanagementprozesse etablieren, die die komplexen Anforderungen des wissenschaftlichen Sammelns von Objekten und der sammlungsbezogenen Forschung auf ideale Weise unterstützen.

Frühmittelalterliche Gefäße in der Sammlung des RGZM Frühmittelalterliche Gefäße in der Sammlung des RGZM by  Volker Iserhardt © Römisch-Germanisches Zentralmuseum Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

(3) NFDI4Objects for Analytics and Experiments

NFDI4Objects for Analytics and Experiments wird Plattformen, Standards und Dienste für die desktopbasierte Forschung, kontrollierte Experimente und laborbasierte Analyse
von Objekten abdecken.

Analyse polnischer Münzen der Piasten mittels Protonen-induzierter Gamma- und Röntgenemission Analyse polnischer Münzen der Piasten mittels Protonen-induzierter Gamma- und Röntgenemission by  Stefan Röhrs © Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz

(4) NFDI4Objects for Protecting

NFDI4Objects for Protecting wird sich Anwendungen und Datenmanagementbelangen widmen, die die komplexen Anforderungen des Schutzes, der Konservierung, der Restaurierung und Erforschung von Kulturdenkmälern und -objekten sowie verwandter Arbeits- und Forschungsbereiche adressieren.

Archäologische Sondage in der Festung Germersheim Archäologische Sondage in der Festung Germersheim by  Bernd Fischer © Generaldirektion Kulturelles Erbe RLP - Landesarchäologie Speyer

(5) NFDI4Objects for Storage, Access and Dissemination

NFDI4Objects for Storage, Access and Dissemination wird umfassende Technologien und Standards
für die Langzeitarchivierung
von Forschungsdaten und
alle anderen Aspekte der
FAIR-Prinzipien bereitstellen.

Kisten archäologischer Fundstücke im Sammlungszentrum „Alte Baumwollspinnerei“ (Speyer) Kisten archäologischer Fundstücke im Sammlungszentrum „Alte Baumwollspinnerei“ (Speyer) by  Tim Hufnagl © Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

(6) NFDI4Objects for Commons and Qualification

NFDI4Objects for Commons and Qualification befasst sich mit den datenmanagementbezogenen Anforderungen an multdisziplinäre Datenauswerteprozesse, dem Aufbau und der Pflege von NFDI4Objects eigenen Commons und der Entwicklung passgenauer Qualifizierungsangebote.

Untersuchung eines Gemäldes mit zerstörungsfreien Verfahren am Rathgen-Forschungslabor Untersuchung eines Gemäldes mit zerstörungsfreien Verfahren am Rathgen-Forschungslabor by  Stefan Simon © Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz

(7) NFDI4Objects for Support and Coordination

NFDI4Objects for Support and Coordination steuert die strukturelle und inhaltliche Ausformung des Konsortiums nach innen und außen, koordiniert die Prozesse zwischen den Aufgabenbereichen, sichert die wissenschafts- und communitygetriebene Weiterentwicklung des Konsortiums und entwickelt spezifische Qualifikations- und Weiterbildungsangebote.

... Treffen der internationalen Community im Auswärtigen Amt by  Andreas Paasch © Deutsches Archäologisches Institut

Kontakt

Suchen Sie einen Ort, an dem Sie sich aktiv an der Entwicklung des Konsortiums beteiligen können? Wir haben ein Projekt im OpenScience Framework ins Leben gerufen. Hier finden Sie alle Informationen über den Fortschritt des Projekts transparent und offen online.

  • Koordination

  • Chris Keller

    Deutsches Archäologisches Institut
  • Twitter

  • @nfdi4objects 
  • Initiative's Co-Speakers

  • Philipp von Rummel

    Deutsches Archäologisches Institut
  • Alexandra Busch

    Römisch-Germanisches Zentralmuseum
    Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie
  • Kai-Christian Bruhn

    Hochschule Mainz
    University of Applied Scienes

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