29. 09. 2026

Bauwerke eindeutig referenzieren: Workshop zu Bauwerksnorm- und Referenzdaten

Wie können in Forschung und Erschließung Objekte, Informationen und Forschungsergebnisse eindeutig mit Bauwerken in Beziehung gesetzt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines zweitägigen Workshops zu Bauwerksnorm- und Referenzdaten am 26. und 27. August 2026 an der Technischen Informationsbibliothek Hannover (TIB). Vertreter:innen von NFDI4Culture, NFDI4Objects und NFDI4ING kamen mit Akteur:innen aus Sammlungen und Museen, Fototheken und Bildarchiven, Forschungsinstituten, Landesämtern für Denkmalpflege und dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) zusammen, um bestehende Ansätze, gemeinsame Anforderungen und mögliche zukünftige Infrastrukturen zu diskutieren.

Zu Beginn des Workshops brachte ein breites Spektrum von Akteuren in 12 Impulsvorträgen ihre Perspektiven und Bedarfe anhand praxisnaher Beispiele ein. Eindeutige Referenzen zu Bauwerke spielen bei der Erschließung von Architekturnachlässen ebenso eine Rolle wie in der archäologischen Bauforschung, der Denkmalpflege oder bei der systematischen Untersuchung von zeitgenössischen Bauwerken, wie nachhaltigen Holzbauten, sanierungsbedürftigen Brücken oder bedarfsgerechten Schwimmbädern. Dabei helfen existierende Infrastrukturen wie die GND-Agentur Bauwerke, Wikidata und Wikibase sowie Standards wie das LIDO-Profil Architektur oder die CIDOC-CRM-basierte Objektbiographie in NFDI4Objects. Nicht immer reicht die Referenz auf ein Bauwerk als monolithisches Objekt. Gebäude- und Bauteile müssen oft mit spezialisierten Vokabularen im Detail beschrieben oder mit Quellen in Beziehung gesetzt werden. Digitale Tools wie das DNBLab oder maschinelle Verfahren zur Bauwerksidentifikation am Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI) München unterstützen die Erschließung und den Aufbau von Normdatensätzen.

Darauffolgend wurden wichtige Fragen in sechs Barcamp-Sessions vertieft, u. A.:

  • Welche Informationen sind normdatenrelevant?
  • Was konstituiert ein Bauwerk und wer legt das fest, gibt es beispielsweise PID für ungebaute Architektur oder für Gebäudeteile?
  • Welche Möglichkeiten bietet Wikidata und ist es als Datendrehscheibe geeignet?
  • Welche Rolle spielen Vokabulare für Bauwerksnormdaten?
  • Welche Organisation und Forschungscommunites sind relevante Stakeholder für die Aufarbeitung von Architekturnachlässen?
  • Wie erreichen wir Ontologieharmonisierung und Qualitätssicherung, z.B. durch das LIDO-Profil für Architektur und andere ortsfeste Werke?
  • Welche Tools unterstützen die Formulareingabe und Datenvisualisierung z.B. in Wikibase?

Am zweiten Tag des Workshops wurden konkrete Maßnahmen und Roadmaps besprochen, die in der Folge weiter ausgearbeitet werden sollen. Es wurde deutlich, dass Fragen der Bauwerksidentifikation Fachcommunities aus Ingenieurwissenschaften, Architektur, Kulturerbe, Archäologie, Denkmalpflege und Sammlungserschließung verbinden. Sie sind von hoher Relevanz für gesellschaftliche Ziele wie einen klimaneutralen Gebäudebestand, die Nachhaltigkeit von Infrastrukturbauwerken und die Sicherung kulturellen Erbes.

Die bestehenden Infrastrukturen GND und Wikidata müssen ausgebaut und vernetzt werden. Eine niedrigschwellige PID-basierte Referenzierung sollte bestehende Normdatenangebote ergänzen, wo ein Bauwerk für Forschung eindeutig adressierbar sein muss, die Voraussetzungen für einen umfassenden Normdatensatz jedoch nicht oder noch nicht gegeben sind.

Die Relevanz der infrastrukturellen Herausforderungen geht über die Forschungscommunities der einladenden NFDI-Konsortien hinaus, insbesondere Fachbehörden und Sammlungen stehen als relevante Akteure fest. Die intensive Diskussion und die gemeinsam skizzierten Strategien bieten eine gute Voraussetzung für die anvisierten nächsten Schritte, eine Folgeveranstaltung ist bereits für Anfang 2027 geplant.

Autoren: Roger Winkler, Andreas Noback, Birte Rubach, Ina Blümel & Anja Gerber für NFDI4ING, NFDI4Culture & NFDI4Objects

Gruppenfoto
Gruppenfoto der Teilnehmenden. Foto: Johanna Wolf, TIB Hannover